Bretterbühne von Jacques Copeau

Suchen wir nicht soviel. Wären wir ehrlich, wir hätten schon lange gefunden. Ich bin sicher, dass man nach vielem Suchen, vielem Annehmen und vielem Verwerfen von Formeln, für welche die Mode kurze Zeit geschwärmt haben mag, wieder auf diese Wahrheit zurückkommen wird, denn sie ist sehr einfach, sehr sicher, sehr haltbar, fundamental; naiv und feierlich zugleich, und sie lässt kein Mogeln
zu: die kleine nackte Bretterbühne, die“ vier im Viereck aufgestellten Böcke“ und die“ vier oder sechs darübergelegten Bretter“, von denen Cervantes in einem seiner Prologe spricht, die einfachste aller Vorrichtungen, Symbol der größten Freiheit und zugleich eindringlichster und reinster Appell an die Phantasie des Dichters. Auf einer solchen Bühne sprudelt und springt die Farce, die Tragödie steigt daraus gemessenen
Schrittes von Stufe zu Stufe, die Feerie legt sich auf sie mit einem Rauschen von Girlanden und Federn, das Mysterium verliert darauf nichts von seiner Größe, selbst das Übernatürliche kann sich auf sie hinabsenken, auf unsere Veranlassung wird auf ihr das Universum Einzug halten, und seine drei oder vier Stufen werden genügen, um den Dämon, der Blume und dem Tier, dem Menschen, seinen Leidenschaften und seinen Göttern einander, ihrem Rang entsprechend, den Platz zu geben.“